Ein Beitrag von Ilka Schober aus der AWO Familienbildung Muldental und Vivian Hellwig, Fachberaterin Sprache

Wieder einmal stehen Eltern vor der Frage, wie sie ihren Kindern Freude machen, ohne dass Weihnachten zur Materialschlacht wird. Doch man schenkt immer mehr, immer teurer und inzwischen gern auch mal zwischendurch. Dabei geht diese Flut von Geschenken an den eigentlichen Bedürfnissen der Kinder vorbei. Die Folge ist, dass die Freude der Kinder nur kurz ist. Insbesondere kleine Kinder sind schnell überfordert. Grenzenloses Schenken führt in der Folge dazu, dass Kinder lernen, ihren Wert über die Anzahl und den Wert der Geschenke zu definieren.

Wunschzettel als Grenzensetzer
Die Lösung dieses Dilemmas ist einfach. Steuert das Schenken durch Wunschzettel, die ihr gemeinsam mit dem Kind malt oder schreibt. Trefft konkrete Absprachen mit der Verwandtschaft. Es kann sein, dass es schwer ist die Omas, Onkel und Tanten von der Notwendigkeit einer Regelung zu überzeugen. Seid hier klar und deutlich. Die Liebe der Kinder kann nicht an einem Tag im Jahr durch ein überteuertes Geschenk ausgeglichen werden.
Insbesondere kleine Kinder sollten nicht mehr als 3 Geschenke insgesamt bekommen. Wichtiger ist, dass ihr mit den Kindern gemeinsam spielt, singt, vorlest usw. Zeit und Aufmerksamkeit sind die besseren Geschenk.
Übrigens ist es nicht schlimm, wenn ein Kind nicht alle Wünsche erfüllt bekommt. So lernen sie, dass man nicht alles haben kann, was man sich wünscht. Für das Kind ist Weihnachten viel spannender und die Vorfreude größer, wenn es nicht weiß, was am Ende tatsächlich unter dem Baum liegt.

Spielzeug – eine der wichtigsten Lernquellen
Spielzeug verteufeln sollte man jedoch nicht. Denn Spielen ist super wichtig und hilft unter anderem bei der Sprachentwicklung. Es ist eine der wichtigsten Lernquellen in der Kindheit. Durch das Spiel erlernen Kinder neue Fähig- und Fertigkeiten aus eigener Motivation heraus. Sie entdecken und verstehen beispielsweise ihre Umwelt, lernen Sprache zu verstehen und zu sprechen, werden selbstwirksam und kreativ, lernen sich abzugrenzen, verstehen was funktioniert und was nicht.
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die richtige Verwendung der richtigen Spielzeuge die Entwicklung fördern und die Wahrscheinlichkeit von Entwicklungsverzögerungen verringern kann. Doch was ist richtig und was ist falsch? Kleine Kinder sind anfällig für Ablenkungen – wird zu viel Spielzeug gleichzeitig angeboten, so leidet die Kreativität der Kinder und es kann sich schnell eine Reizüberflutung und drohende Überforderung entwickeln.

Emotionalen Bezug zum Spielzeug herstellen – aber wie?
Gerade in der vorweihnachtlichen Zeit fällt der Blick schnell in das prall gefüllte Kinderzimmer. Eltern erinnern sich an das Spielzeug, das dem Kind letztes Jahr geschenkt wurde und nun unbenutzt in der Ecke liegt. Dass Kinder älter werden und Spielzeug deswegen unattraktiv werden kann, ist selbsterklärend. Wie aber kann vermieden werden, dass das Kind ein Spielzeug bekommt, welches nach ein paar Wochen in der Kiste unterm Bett einstaubt? Das Stichwort ist: Die Bedeutung des Spielzeuges. In unserer heutigen Gesellschaft gibt es ein breites Angebot an Spielsachen und das in 3-Facher Ausführung. Damit Kinder jedoch nicht als selbstverständlich erachten, immer und überall alles zu bekommen, ist es wichtig, dass Kinder den emotionalen Bezug zum Spielzeug herstellen.

Statt neue Puppensachen für die Püppi zu kaufen, können alte Babysachen des Kindes rausgesucht werden. Statt einen Adventskalender mit vielen unterschiedlichen Krimskrams zu füllen, steigert die Spannung mit Lego – jeden Tag kommen Teile dazu und ergeben am Ende das fertige Auto oder Flugzeug. Statt die Murmelbahn im Laden zu kaufen, könnt ihr auch selber eine bauen. Überlegt gemeinsam mit euerm Kind, wie die Bahn aussehen soll und was ihr dafür benötigt.

Das stärkt zudem nicht nur die Kreativität des Kindes (und eure), sondern auch die Eltern-Kind-Beziehung. Ihr werdet außerdem überrascht sein, was euer Kind alles kann. Seid jedoch nicht demotiviert, wenn es nicht euern Vorstellungen entspricht, das selbstgemachte Spielzeug nicht „hübsch“ geworden ist und wenn es auch mal Knatsch und Tränen gibt. Der gemeinsame Prozess des Selbstaktivwerdens zählt und gibt dem Spiel(Zeug) eine ganz besondere Bedeutung.

Literaturhinweis: Ulrike Leubner: Vorsicht Spielzeuglawine. (Edition Claus, 2019)