Heute möchte ich euch ein Tier vorstellen, dass zwar jeder kennt, aber selten jemand zu Gesicht bekommt. Der Dachs ist nachtaktiv und lebt unter der Erde und wird deshalb nur selten beobachtet.

Er lebt in Laub und Mischwäldern und gräbt großzügige Bauten in die Erde. Bis zu 5 Meter können diese Röhren tief und bis 100 Meter lang sein. Nach und nach entstehen so weitverzweigte Labyrinthe mit mehreren Wohnhöhlen. So große Bauten werden oft von mehreren Generationen nacheinander bewohnt. Manchmal leben auch Füchse oder Marder mit den Dachsen zusammen in friedlichen Wohngemeinschaften.
Der Dachs ist der größte Vertreter der Familie der Marder in Europa, obwohl er von Aussehen her und seinem Gewicht von bis zu 15 kg eher an einen kleinen Bären erinnert.

kleiner Bär
Der Dachs ist an seiner auffälligen Zeichnung mit schwarzen Streifen im Gesicht leicht zu erkennen. Seine Schnauze ist länglich und schmal. Seine Ohren sind klein und haben einen weißen Rand. Sein Rücken hat eine silbrig-graue Farbe. Er wirkt mit seinen kurzen Beinen recht massig und unbeholfen. Allerdings ist er auch kein schneller Sprinter, sondern an das Leben unter der Erde angepasst. Um seine großartigen unterirdischen Baue zu graben, hat er lange Krallen an den Pfoten.

Aufgrund seiner Statur ist der Dachs kein Jäger, sondern frisst, was ihm vor die Nase kommt. Würmer, Insekten, Kleintiere, Schnecken, aber auch Früchte, Nüsse, Samen und Beeren. Findet er ein Vogelnest am Boden, räubert er es aus. Auch unvorsichtige Vögel oder Mäuse kommen gelegentlich auf seiner Speisekarte vor.

Der Dachs hat einen sehr guten Geruchssinn. Damit macht er nicht nur seine Beute ausfindig, sondern erkennt auch seine Familienmitglieder am Geruch. Zudem ist er bei seinen nächtlichen Streifzügen sehr vorsichtig und schnuppert immer wieder, ob auch keine Gefahr in der Nähe ist. Nimmt er eine Gefahr wahr, ist er blitzschnell verschwunden. Trotz seines behäbigen Aussehens kann er recht flink sein. Zu seinen natürlichen Feinden zählen hier zu Lande der Wolf und der Luchs.

Winterruhe
Dachse halten keinen echten Winterschlaf, sondern Winterruhe. In der Zeit schlafen sie viel und leben sie von den angefressenen Fettvorräten. In manchen Nächten kommen sie aber aus ihrem Bau und suchen nach Futter. Auch auf’s Klo gehen sie zwischendurch. Ihr Geschäft erledigen die reinlichen Tiere nämlich nicht im Bau, sondern draußen. Anschließend wird alles ordentlich verbuddelt – ein Dachsbau ist eine saubere Sache.

Im Frühjahr kommen die 2-5 Jungtiere auf die Welt, die in den ersten Wochen ihres Lebens nur im Bau bleiben und von der Mutter versorgt werden. Damit die Kleinen es warm und gemütlich haben, polstern die Eltern die Wohnhöhle mit Gras und Laub aus, das auch regelmäßig gewechselt wird.
Früher dachte man, der Dachs ist ein mürrischer Einsiedler. Daher sicher lautete auch sein Name in Fabeln Grimbart. Dabei sind Dachse sehr soziale Tiere und leben oft in größeren Familienverbänden von bis zu 12 Tieren zusammen. Zudem bleiben Dachse mit ihrem Partner ein Leben lang zusammen.

Diese baubegabten, sauberen und sozialen Tiere hatten bis vor wenigen Jahren das Pech, dass die Haare ihres Pelzes für die Kosmetik- und Pinselindustrie enorm wertvoll waren. Die Tiere wurden unter sehr schlechten Bedingungen in Käfigen gehalten und hatten ein schlimmen Los. Inzwischen haben sich viele namhafte Kosmetikhersteller von der Nutzung der Haare von Dachsen in ihren Produkten distanziert. Dennoch ist es wichtig, dass beim Kauf von Mal-, Rasier- und Kosmetikpinseln darauf geachtet wird, dass keine tierischen Haare verwendet wurden. Nur durch den Druck der Kunden beim Einkauf lassen sich solche Praktiken endgültig verhindern.