Die 6-beinigen Krabbeltiere, um die es uns heute geht, sind wichtige Bewohner des Waldes. Sie werden oft als „Gesundheitspolizei des Waldes“ bezeichnet, weil sie Schädlinge und tote Tiere fressen. So verhindern sie, dass sich Krankheiten im Wald ausbreiten können. Auf ihrer Nahrungssuche legen sie weite weite Strecken zurück und lockern so den Boden auf. Pflanzen können dann besser wachsen. Außerdem sind Ameisen Teil der Nahrungskette und eine wichtige Nahrungsquelle für viele andere Tierarten.
Hervorragende Architekten
Waldameisen sind bekannt für ihre großen Ameisenhügel, die manchmal stattliche Höhen von bis zu 2 Metern erreichen. Zudem sind sie oft unter der Erde noch einmal genauso tief. Sie bestehen aus Erde, Pflanzenteilen und Harz. Warum aber bauen Ameisen so gigantische Ameisenhügel?
Zum einen ist es wichtig, dass der ganze Ameisenstaat Platz hat. Ein Ameisenvolk kann aus mehreren hunderttausenden bis zu 2 Millionen Tieren bestehen, die diese Hügel bewohnen. Dort werden Eier und Larven sicher vor Feinden geschützt. Denn oft sind die Kammern so tief im Inneren des Hügels, dass ein Sturm oder ein größeres Wildtier zwar vielleicht die äußeren Schichten, aber nicht die Brut- und Aufzuchtkammern beschädigt.
Zum anderen ist durch die vielen Tiere im Bau eine gewisse gleichbleibende Temperatur gesichert. Das ist besonders in den kälteren Jahreszeiten wichtig.
Königin
In Deutschland gibt es 13 verschiedene Arten von Waldameisen. Die Bekannteste ist wohl die Große Rote Waldameise. Diese Art hat pro Volk immer nur eine Königin. Diese legt bis zu 300 Eier am Tag. Sie ist meist deutlich größer als die anderen Ameisen des Staates. Sie hat einen dicken, plumpen Hinterleib, der gut geeignet ist fürs Eierlegen und kräftige Brustmuskeln für den Hochzeitsflug. Arbeiterinnen haben kräftige Kiefer und sind wahre Kraftprotze. Bis zum 40-fachen ihres eigenen Körpergewichtes kann eine Ameise tragen. Arbeiterinnen können sechs, Königinnen zwanzig Jahre alt werden – im Gegensatz zu den Männchen: ihr Leben ist nach Hochzeitsflug und Begattung der Jungköniginnen zu Ende.
Die Ameisenstaaten sind perfekt durchorganisiert. Im Inneren des Hügels übernehmen die jüngeren Tiere die Ei- und Brutpflege und reparieren das Nest. Die älteren Ameisen erledigen außerhalb des Baus unterschiedliche Aufgaben. Da gibt es Jäger, Bauarbeiter, Läusemelker, Träger und Wächter.
Honigtau
Läusemelker? Ja genau, Ameisen lieben den von Blattläusen abgegebenen Honigtau. Deswegen schützen sie die Blattläuse vor Feinden, z.B. dem Marienkäfer und sammeln den abgesonderten Honigtau von den Pflanzen, wo die Läuse leben. Manchmal melken sie diese aber auch, indem sie den Honigtau direkt von Hinterteil der Blattläuse saugen.
Spannend ist, wie ein Ameisenhaufen mit mehreren 100 000 bis zu 2 Millionen Tieren funktioniert, ohne dass jemand Aufträge verteilen muss. Aber Ameisen kommunizieren tatsächlich miteinander. Zum einen produzieren sie Pheromone, also Duftstoffe, mit denen sie anderen mitteilen, wo Beute zu finden ist, Gefahr droht und wo es zurück zum Bau geht. Ihre Reviergrenzen markieren sie mit Kothaufen und gegenseitiges Berühren soll dazu animieren, Nahrungsbrei abzugeben.
Sie geben aber auch Geräusche von sich. Dabei hören sie diese jedoch nicht. sondern nehmen die Schwingungen wahr. Die Geräusche erzeugen sie, indem sie ein Bein an der Taille reiben oder mit dem Kopf auf einen harten Untergrund klopfen. Dieses Verhalten nutzt beispielsweise die Raupe einer Schmetterlingsart, die Geräusche erzeugt, die wie die Ameisenkönigin klingen. So erreicht sie, dass sie unwissentlich von den Arbeiterinnen monatelang gefüttert wird.
Nachwuchs
Im Sommer herrscht Hochbetrieb im Ameisennest. Der Nahrungsbedarf für den Nachwuchs ist enorm. Im Umkreis von hundert Metern holt ein Einmillionenstaat jährlich 28 Kilogramm Insekten, die die Jägerinnen mit Säurespritzen und kräftigen Kiefern erbeuten, sowie 200 Liter Honigtau. Ameisen spielen also im Lebensnetz des Waldes eine ganz besondere Rolle. Der Appetit der Ameisen auf Insekten hält je Volk ein viertel Hektar Wald frei von Insekten und ihren Larven, auch jene von unerwünschten Forstschädlingen.
Über 150 Pflanzenarten verdanken zudem den Ameisen ihre Verbreitung. Dazu wenden die Pflanzen einen Trick an. Da Ameisen Süßem nicht widerstehen können, tragen manche Samen ein zuckerhaltiges Anhängsel. Wegen dieses Schmankerls transportieren Ameisen diese Samen bevorzugt und verbreiten diese damit.
Gefährdeter Lebensraum
Leider geht es den Ameisen wie allen Wildtieren dieser Zeit, sie sind gefährdet. Auch hier sind intensive Landwirtschaft und der Verlust des Lebensraumes mitverantwortlich, dass die Zahlen der Waldameisen zurückgehen. Deshalb unsere Bitte, lasst die Ameisen und ihr Hügel in Ruhe, wenn ihr welche findet. Ihr könnt die Tiere auch beobachten, ohne sie zu stören. Versucht auch im heimischen Garten auf Insektengifte zu verzichten.
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