In unseren Wäldern lebt ein Tier, dass zwar zahlreich aber trotzdem selten zu sehen ist, das Wildschwein. Dieser Vorfahre unseres Hausschweins ist super an das Leben im Wald und die unmittelbare Nachbarschaft zum Menschen angepasst.

Eigentlich sind Wildschweine scheue Tiere die dem Menschen lieber aus dem Weg gehen. Deswegen liebt es auch Gegenden in denen es sich gut verstecken kann, wie Maisfelder, Schilfufer und Wälder mit Unterholz und Strauchschicht.

Das Wildschwein ist ein Allesfresser. Begonnen bei Blättern, Trieben, Wurzeln und Früchten der Bäume über Gräser, Kräuter, Pilze und Flechten bis hin zu Weichtieren, Insekten, Eiern, Vögeln, kleinen Säugetieren und schließlich sogar Aas reicht ihr Nahrungsangebot.

Familienalltag
Das Wildschwein lebt im Familienverband, der sogenannten Rotte. Weibchen, auch Bache genannt und die Jungtiere, die Frischlinge leben als Gruppe zusammen und werden meist von einem älteren erfahrenen Weibchen angeführt. Die männlichen Tiere, die Keiler sind dagegen Einzelgänger und suchen nur zur Paarungszeit die Nähe einer Rotte.

Wildschweine haben ein ganz typisches Aussehen. Den keilförmigen Kopf mit den Hauern, die seitlich aus dem Maul ragen und die Rüsselschnauze hat sicher jeder direkt vor Augen. Die Hauer tragen sowohl die männlichen als auch die weiblichen Tiere. Allerdings werden sie bei den Keilern beeindruckend groß. Die dienen dazu, den Weibchen zu imponieren und als Waffe gegen andere Keiler während der Paarungszeit. Die Hauer sind so gebogen, dass sie seitlich aus dem Maul herausragen und sich durch ständiges Reiben aneinander gegenseitig schärfen. Dadurch werden sie messerscharf. Die Tiere können bis zu 200kg schwer und in freier Wildbahn bis zu 12 Jahre alt werden. Die Fellkleid ist borstig und hat eine dicke feinere Unterwolle.

Trotz ihres Körperbaus sind sie richtige Kraftpakete und können recht schnell rennen. Außerdem sind sie gute Schwimmer und legen bei ihren Wanderungen oft viele Kilometer zurück und durchschwimmen dabei auch Flüsse. Sie haben einen ausgeprägten Geruchssinn und spüren so auch Nahrung unter Laub, Erde oder Schnee auf. Ihre Augen sind dagegen nicht so gut.

Spurensuche
Wenn ihr aufmerksam durch den Wald geht, könnt ihr ihre Spuren finden. Aufgewühlte Erde zeigt, dass hier nach Futter gesucht wurde, Schlammige Stellen werden als Suhle zum Abkühlen und der Bekämpfung von Parasiten genutzt. Oft findet man auch Bäume mit schlammigen Abdrücken oder anhaftenden Borsten, an denen sich die Tiere ausgiebig geschart haben. Habt ihr so etwas schon mal entdeckt?

Zeitig im Frühjahr bekommt die Bache ihre Jungen. Diese Frischlinge haben ein gestreiftes Fellkleid und sind so gut getarnt. Durch die milden Winter und ein reiches Nahrungsangebot kommen die Wildschweine gut zurecht und bekommen inzwischen auch mehrfach im Jahr Nachwuchs. Natürliche Feinde haben Wildschweine in unseren Gegenden kaum noch, denn nur Wölfe, Luchse oder Bären können ihnen gefährlich werden.

Wildschweine sind flexibel und schlau und nutzen alle Nahrungsangebote, die sich ihnen bieten. Deswegen werden inzwischen auch immer häufiger Wildschweine in bewohnten Gegenden beobachtet. Gartenanlagen mit offenen Komposthaufen, weggeworfene Essensreste und offene Mülltonnen werden gern als Futterquelle genutzt. Damit es nicht zu Konflikten in Wohngegenden kommt, ist es also wichtig, dass der Mensch die Tiere nicht durch Unachtsamkeit anlockt.
Sollte man trotzdem einmal unerwartet vor einem Wildschwein stehen, ist es wichtig, sich ruhig zu verhalten, sich langsam rückwärts zu bewegen und den Wildschweinen eine Rückzugsmöglichkeit zu gewähren. Bachen mit Frischlingen sollten großräumig umgangen werden, da die Muttertiere ihre Jungen bedingungslos verteidigen und leicht reizbar sind.