Die Anfänge der AWO in Sachsen

Die Wurzeln des AWO Kreisverbandes Mulde-Collm e.V. vor 1933
Der Blick auf die Anfänge der Arbeiterwohlfahrt im Muldental

Die Anfänge der Arbeiterwohlfahrt in unserer Region liegen bereits ein ganzes Menschenleben zurück. Am 31. Januar 1923 hat sich der AWO-Ortsausschuss Leipzig gegründet. Im Unterbezirk Wurzen-Grimma-Oschatz waren im darauffolgenden Jahr 25 Wohlfahrtspflegerinnen und Armenpflegerinnen im ständigen Einsatz für die Notleidenden der Region. Hervorzuheben sei dabei der harte Winter 1924, in dem die ersten Kindernotspeisungen organisiert wurden.
1927 existierten im Gebiet zwischen Leipzig, Wurzen, Döbeln und Mittweida bereits 26 Ortsausschüsse der AWO. Der Einfluss der Arbeiterwohlfahrt nahm kontinuierlich zu. Es gab nur noch wenige Bereiche, in denen die Helfer und Helferinnen in den Kommunen nicht aktiv waren. Ihre Unterstützung war in den Gremien des Wohlfahrtsamtes und des Jugend- und Gesundheitsamtes gefragt.
Ein Ereignis stellte das Engagement und die Solidarität der vielen Helfer besonders auf die Probe. Unter der Weltwirtschaftskrise 1929, als die New Yorker Börse zusammenbrach und damit auch die deutsche Wirtschaft tief erschütterte, litt auch die Region im Muldental. Deutschlandweit wurden Millionen Menschen arbeitslos. In einer Zeit äußerster sozialer Not und existentieller Angst bildeten sich vielerorts Ortsausschüsse der Arbeiterwohlfahrt. 1932 waren es bereits 95 OA im Bezirksausschuss Westsachsen. Einer davon engagierte sich in Colditz. Die Vorsitzende war Melanie Eichhorn, geboren 1899. Sie wohnte seit 1929 mit ihrer Familie in der Stadt.
In einem Bericht an den Bezirksvorsitzenden erklärte sie: „Besonders hervorzuheben sind die Nähstube und unsere Kindergruppe von 120 Kindern, die während der Ferien fast täglich ihre Wanderungen unternahmen.“ Sie betonte, dass ihr Ortsausschuss selbstständig eine Winterhilfe realisieren konnte. Es wurde, wie in vielen kleineren Städten im Muldental, Kohle, Kleidung, Windeln für Bedürftige gesammelt und ausgegeben. Die Arbeiterwohlfahrt holte Kinder von der Straße. Ehrenamtliche beschäftigten sich mit ihnen, kochten für sie und gaben ihnen Kleidung.
Auch der AWO-Ortsverein in Wurzen sei dabei erwähnt. Das Gebiet galt als Hochburg der AWO zur Zeit der Weimarer Republik. Die AWO beteiligte sich aktiv an der Winterhilfe, richtete Nähstuben und stellte Fürsorgevertreter ein. Wie die Ortsausschüsse arbeiteten, belegen noch heute Berichte. 1932 hatten 66 Ortsausschüsse aus Westsachsen ihre sozialen Aktivitäten schriftlich festgehalten. So kann man noch nachvollziehen, dass beispielsweise 758 weibliche und 1816 männliche Helfer ständig im sozialen Einsatz waren und es 55 Beratungsstellen gab, die in 6287 sozialen Notsituationen helfend eingreifen konnten. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten war die Arbeiterwohlfahrt mit vielen Einschränkungen konfrontiert. Schließlich wurde sie verboten, die Ortsausschüsse von der SA gestürmt und gebrandschatzt, sowie das wenige Eigentum der Eigentumslosen vernichtet. In den alten Bundesländern konnte sich die Arbeiterwohlfahrt nach 1945 wieder etablieren.
Unter der SED-Führung waren Sonderorganisationen, also auch die Arbeiterwohlfahrt, verboten. Erst nach 1990 konnte die AWO in Sachsen mühsam wieder aufgebaut werden. Weitere Informationen zur Historie finden Sie unter: AWO Sachsen Geschichte oder AWO Bundesverband Geschichte